Es ist unbestreitbar, dass die Absicht von großen Unternehmen, Texte in verschiedenen Sprachen anzubieten, eine gute Absicht ist. Microsoft bietet meines Wissens nach alle Texte seiner Knowledge Base auch auf Deutsch an. Grundsätzlich positiv. Ebenfalls gut, dass der interessierte Leser deutlich folgenden Hinweis bekommt:
Wichtig: Dieser Artikel wurde maschinell und nicht von einem Menschen übersetzt. [...] Doch noch sind maschinell übersetzte Texte in der Regel nicht perfekt, insbesondere hinsichtlich Grammatik und des Einsatzes von Fremdwörtern sowie Fachbegriffen. [...]
Mit den Fachbegriffen und der Grammatik hapert es also noch. So wird aus »Sections of interest« der »Zins in Dokumentabschnitten« . Und im gleichen Artikel aus »Architecture« im vermeintlich Deutschen »Architektu« . Richtig gut ist dann die Übersetzung des englischen Fachbegriffs »Internet« . Sie lautet »Interne« . Um Skepsis vorzubeugen, dass ich womöglich nicht vollständig zitiere, der Satz lautet in voller Schönheit: »So erhalten Sie Dateien vom Microsoft Support im Interne« . Maschinelle Übersetzungen sind eben noch nicht »perfekt« , auch hinsichtlich der Grammatik. Zitat:
Eine Zeichenfolge wird auch Klasse (MFC einer Überschreibung des MFC-Ccomboboxex) die die Verarbeitung von Nachrichten in dem Kombinationsfeld kapselt, als Aktionen eingegeben, als wo wann wie übernommen werden, oder Klasse (MFC einer Überschreibung des MFC-CComboBoxEx) die die Verarbeitung von Nachrichten in dem Kombinationsfeld kapselt, wird von der Ablage - herunter Liste ein Element ausgewählt.
Alles klar!? Das war übrigens die Erklärung(sic!) für eine Klasse.
Was soll das?
Es bleibt die Frage: Was soll das? Sind die maschinellen Übersetzungen für irgendjemanden nützlich? Leser mit geringen Vorkenntnissen verstehen kein Wort. Leser mit guten Vorkenntissen verstehen entweder kein Wort, oder sie können raten, welche englischen Begriffe dort verhunzt wurden. Dann kann man gleich das Original lesen. Oder können Sie beurteilen, ob Artikel 308322 für Ihre Frage zur Änderungen von Partitionsgrößen relevant ist, wenn es unter »Problembeschreibung« heißt:
Es ein NTFS erweiterndes oder verkleinerndes archiviert Systempartition, Sie zeigen möglicherweise eine Meldung, die besagt, dass der die Größe ändernde Prozess vollständiges 100 Prozent ist, an und folgende Fehlermeldung wird möglicherweise Ihnen dann angezeigt, nach Sie versuchen, zu verwenden und installiert Partition Magic Version 6.0 nach: Fehler 983. Prozess hielt zu viele Fehler an, die gefunden werden. Fehler: 1527: fehlerhafte aktualisiert Sequenz-Nummer.
Meiner Meinung nach gibt es keine positive Antwort auf die Frage »Was soll das?«
Informatik bleibt Computer Science
Das Beispiel Microsoft (nur eines unter vielen) zeigt: Nach wie vor geht es nicht ohne Englisch, wer ernsthaft Informatik betreiben möchte. Als Dozent im Studiengang Medieninformatik bin ich gelegentlich überrascht, dass Studenten englischen Texten aus dem Weg gehen. Ich vermute, dass es keinen Studiengang gibt, in dem Studenten es sich leisten können, Primärliteratur nicht lesen zu können. Ausgerechnet in Informatik/Englisch sollte das auch nicht so sein. Und um zum Beispiel Microsoft zurückzukehren: Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller diese automatische Unverständlichung abzuschalten. Sie taugt nur dafür, dass die Texte als Beispiel in stirnrunzelnden oder schmunzelnden Blog-Artikeln zum Zitierfutter geraten.
Und die Bindenbrusse?
Ach ja. Der ein oder die andere Leserin wird sich fragen, was es mit der Bindenbrusse im Titel auf sich hat. Die Erwähnung der Bindenbrusse erfolgte aus drei Gründen:
Das Wort ist ein Eye-Catcher und lockt Leser an. — Hat's gewirkt? ;-)
Die automatischen Verunstaltungen erinnern mich an die Bindenbrusse.
Zu guter letzt: Ich habe mal wieder einen Grund auf die unendlich lustigen Bindenbrussen-Kolumnen von Magdi Aboul-Kheir hinzuweisen. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie lesen.
